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Charlotte Schwab spielt die Chefin der Autobahnpolizei in "Alarm für Cobra 11" und die Kommissarin Marion Ahrens in "Das Duo" (Foto: Public Address)
Charlotte Schwab spielt die Chefin der Autobahnpolizei in "Alarm für Cobra 11" und die Kommissarin Marion Ahrens in "Das Duo"
(Foto: Public Address)
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veröffentlicht: 11.10.2006
Charlotte Schwab im Porträt  
Sicher im Chefsessel
Im wirklichen Leben wirkt Charlotte Schwab eleganter und elanvoller als die biedere Kommissarin Marion Ahrens, die sie in der Krimireihe „Das Duo“ verkörpert. "Ich habe sicherlich mehr Temperament, bin vielleicht sogar etwas aufbrausend. Meine Kinder nennen mich liebevoll 'Fauchi'", schmunzelt sie. Charlotte Schwab ist Schweizerin und ein kleines bisschen hört man das an einigen Lauten, wenn sie spricht, sodass ein Hauch von Exotik ihre tiefe Stimme umweht.

Das "Ur-Duo" Ann-Kathrin Kramer (l.) und Charlotte Schwab ermittelte von 2002 bis Juni 2006. Die beiden Frauen hatten zuvor im Fernsehfilm "Die Konkurrentin" ein Liebespaar gespielt (Foto: Public Address)
Das "Ur-Duo" Ann-Kathrin Kramer (l.) und Charlotte Schwab ermittelte von 2002 bis Juni 2006. Die beiden Frauen hatten zuvor im Fernsehfilm "Die Konkurrentin" ein Liebespaar gespielt
(Foto: Public Address)
Sie sitzt in den Hamburger Räumen des ZDF, wo der Presse gerade eine neue „Das Duo“-Folge vorgeführt wurde, und gibt Interviews. Trotz eines ähnlichen Outfits und Stylings sowie derselben Herzlichkeit ähnelt sie der bedächtigen Lübecker Ermittlerin vom Bildschirm erstaunlich wenig. Das mag daran liegen, dass Schwab in natura zehn Jahre jünger aussieht als im Film, der von brutal ausgeleuchteten Verhörszenen dominiert wird. Vielleicht rührt der Eindruck aber auch von ihrer sympathischen Aufgekratztheit her. Im Gespräch antwortet Schwab mit entwaffnender Ehrlichkeit, weicht nicht aus. Will sie eine Frage nicht beantworten, sagt sie das – freundlich, direkt, leicht verlegen. Längere Monologe sind ihre Sache nicht. Alles völlig untypisch für ihren Berufsstand.

Nach der Ausbildung am Staatlichen Konservatorium für Musik und Schauspiel in Bern spielte Schwab in den ersten 24 Jahren ihrer Karriere ausschließlich Theater – unter anderem an der Schaubühne Berlin, dem Schauspielhaus Bochum und dem Thalia Theater Hamburg. Ab und zu nimmt sie heute noch Theaterrollen an - etwa die Domina in "Alles im Garten" mit Dominic Horwitz oder die Mörderin Medea in Peter Löschers Inszenierung von Ariel Dorfmanns "Purgatory". Aber es muss zeitlich passen. „Das ist nicht so einfach neben den Drehs“, seufzt sie.

Längst hat sich die Wahlhamburgerin, die vor zehn Jahren als mutige Mittvierzigerin den Sprung von der Bühne auf den Bildschirm wagte, als gefragte Fernsehdarstellerin etabliert. Sie ist in besseren Fernsehfilmen wie „Die Konkurrentin“ oder „Stille Nacht, Heilige Nacht“ und in diversen „Tatort“-Folgen“ zu sehen. Die Lust am Spielen merkt man ihr gerade bei herrlich uneitlen Rollen an - wie Lolles kontrollsüchtiger Mutter in der Serie "Berlin, Berlin" oder zugeknöpft in "Küss mich, Tiger". In Schwabs Filmografie finden sich nur wenige allzu seichte Produktionen wie die Charlotte-Link-Verfilmung "Das Haus der Schwestern", in der auch Gudrun Landgrebe und Harald Krassnitzer ihr Talent verschwenden.

Lisa Martinek (r.) ist Schwabs neue Partnerin in der ZDF-Krimireihe "Das Duo" (Foto: Public Address)
Lisa Martinek (r.) ist Schwabs neue Partnerin in der ZDF-Krimireihe "Das Duo"
(Foto: Public Address)
„Ich finde es wichtig, dass wir beim ‚Duo’ zeigen, wie zwei Frauen im Beruf wirklich miteinander umgehen. Und ich möchte auch gerne, dass thematisiert wird, wie eine Kommissarin älter wird“, sagt Schwab bestimmt. Über Lisa Martinek als neue Kollegin sei sie „glücklich und dankbar“. Vorgängerin Ann-Kathrin Kramer war nach vier Jahren ausgestiegen, um andere Projekte zu verfolgen. Schwab spricht von ihr noch immer als Freundin. „Wir haben auch privat viel Kontakt, früher allerdings mehr. Man darf aber auch nicht vergessen, dass 20 Jahre zwischen uns liegen“, gibt sie zu bedenken.

Ohne Koketterie erzählt sie davon, wie sie persönlich mit dem Älterwerden umgeht. „Manchmal, wenn ich in den Spiegel schaue, stören mich die kleinen Fältchen um die Augen und dass die Lefzen hängen. Und ich weiß, dass das nicht besser wird. Aber 30 Sekunden später habe ich das meistens schon wieder vergessen“, lacht sie. Schönheitsoperationen kommen für sie nicht in Frage. Auch für die Zukunft schließt sie Eingriffe kategorisch aus. „Ich kann Kolleginnen verstehen, die das tun“, betont sie jedoch mehrfach. „Junge Kolleginnen fangen heute oft schon mit 30 Jahren an, sich Botox spritzen zu lassen. Der Druck von außen ist ja auch groß.“

„Haben Sie sich wirklich noch nie unters Messer gelegt?“ will ich wissen. Sie guckt mich herausfordernd an und sagt nichts. Kein Wort. Immer noch nicht. Oha. Sollte ich da vielleicht auf etwas gestoßen sein? Aber was ist das für ein spöttisches Funkeln in den dunklen Augen? „Dann müsste ich den Arzt wohl verklagen“, kommt es trocken von ihr.

Seit 1997 sitzt Schwab in der Rolle der Anna Engelhardt sicher im Chefsessel der Autobahnpolizeiwache aus "Alarm für Cobra 11". In der durchaus amüsanten und sehr erfolgreichen Action-Serie voller Crashes, Karambolagen und Explosionen fürchten die beiden Ermittler, der smarte Tom und der sympathische Semir, nach jedem zu Schrott gefahrenen Streifenwagen ihren strengen Blick. Von ihren Untergebenen respektvoll „Chefin“ genannt, drückt Engelhardt in den richtigen Momenten ein Auge zu und stellt sich bei Ärger von oben schützend vor ihre Männer. Etwa einmal pro Staffel muss sie dann selbst ran: In „Kleine Schwester“ hängt sie am Fenstersims eines Hochhauses und im Showdown der köstlichen Folge "Im Angesicht des Todes" drückt sie höchstpersönlich derart todesverachtend aufs Gaspedal, dass der Täter sein Fahrzeug vor Nervenflattern freiwillig in die Böschung lenkt.

Bei ihren Serienrollen sollte die Karriere-Uhr nicht in Charlotte Schwabs Nacken ticken – zumal sie das Glück hat, ähnlich wie Barbara Rudnik oder George Clooney, mit zunehmendem Alter nicht nur interessanter sondern auch schöner auszusehen. Schwab selbst macht sich sowieso keine derartigen Sorgen. „Man darf sein Selbstwertgefühl nie von Äußerlichkeiten, Männern oder seinen Kindern abhängig machen“, sagt sie einfach. Ein gutes Credo.


Charlotte Schwab im TV

"Das Duo - Man lebt nur zweimal"
Sa., 14. Oktober, 20.15 Uhr, ZDF

"Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei"
Donnerstags, 20.15 Uhr, RTL

"Das Duo - Der Sumpf"
Sa., 28. Oktober, 20.15 Uhr, ZDF

"Die Braut von der Tankstelle"
Di., 31. Oktober, 20.15 Uhr, Sat.1 (Wdh.)


(Heike Kevenhörster)
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