“Kein Platz für Exzentriker“
Veröffentlicht: 04.04.2005
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(Foto: Public Address) |
Arthur Phillips im Interview
“Kein Platz für Exzentriker“
Sein eigenes Leben bietet Stoff für mindestens ein Buch. Denn Arthur Phillips, Autor des Bestsellers „Prag“, hat in seinem Leben bereits als Kinderschauspieler, Redenschreiber und Jazzmusiker gearbeitet. Mit „Hotel Sphinx“ veröffentlicht der Harvard-Absolvent und mehrfache „Jeopardy“-Gewinner seinen zweiten Roman. Darin verschlägt es den exzentrischen Archäologen Ralph Trilipush ins Ägypten der 20er Jahre. Auf der Suche nach dem Grab des sagenumwobenen Pharaos Atum-hadu muss er sich gegen den Privatdetektiv Harold Ferrell behaupten, der zwei auf rätselhafte Weise verschwundenen Männern in der Wüste nachspürt.
Mit Unikosmos sprach der 36-jährige Wahl-New-Yorker über Wissenschaftler, Musik und Gameshows. Sein Roman „Hotel Sphinx“ ist bereits im Goldmann Verlag erschienen
Ihr neues Buch „Hotel Sphinx“ spielt in Ägypten. Was war die erste Idee für das Buch?
Arthur Phillips: „Das waren die letzen beiden Seiten. Ich dachte, dass sie ein tolles Ende für ein Buch seien. Dann bin ich rückwärts vorgegangen und habe alle Fragen und Erklärungen zu dem Ende gesucht.“
Sie haben in Harvard studiert und eigene Erfahrungen mit der Welt der Wissenschaft gemacht. Hat sie das beeinflusst?
„Nein, nicht besonders. Ich habe Medizingeschichte in Harvard mit 22 Jahren abgeschlossen. Dann habe ich mich auf die Musik konzentriert und in Berklee studiert. Aber da ist es nicht so akademisch und ich bin auch kein besonders akademischer Mensch.“
Ihr Archäologe im Buch ist eine sehr exzentrische Figur. Glauben Sie, dass dieser Charakterzug Wissenschaftlern hilft, ihre Ergebnisse besser verkaufen zu können?
"Nein, das glaube ich nicht. Der Archäologe im Buch ist auch kein richtig ausgebildeter Wissenschaftler. Er arbeitet nicht nach professionellen Standarts.“
Das liegt natürlich auch an dem zeitlichen Rahmen, in dem das Buch spielt. Damals hat sich die Archäologie ja erst als wissenschaftliche Disziplin manifestiert.
„Ja, das hat diese Periode so interessant gemacht. Der Prozess der Wissensbildung war damals noch abenteuerlich. Die Geschichte der Ägyptologie ist vor allem die Geschichte der 20er und 30er Jahre. Und die ist voll von abenteuerlichen, exzentrischen und ungewöhnlichen Geschichten. Als es dann professioneller wurde, ließ auch die Exzentrik nach. Howard Carter war ein sehr professioneller Forscher, aber die Leute vor ihm waren oft schlecht ausgebildet. Giovanni Belzoni etwa war Zirkus-Artist. Er war kräftig und konnte die Funde gut aus den Grabkammern schleppen. Und dann war da dieser Typ, ich erinnere mich nicht an den Namen, der war Sprengstoff-Experte."
Weiß?
“Ja, Weiß. Der hat gerne mal gesprengt. Der einfachste Weg, ins Innere der Pyramide zu kommen, war die Spitze wegzusprengen. Dann ging er rein und fand so raus, was drin war. Leider ist heute kein Platz mehr für Exzentriker. Letztes Jahr hatten einige Franzosen eine Theorie über geheime Räume in den Pyramiden aufgestellt. Und sie wollten das beweisen. Aber Zahi Hawwass, der ägyptische Chefarchäologe, hat gesagt, dass es schon genug wilde Theorien über geheime Räume in den Pyramiden gibt und dass die Franzosen lieber in Frankreich bleiben sollten.“
Aber Hawwass ist ja auch ein kleiner Exzentriker mit seinem Indiana-Jones-Hut.
“Ja, der hat schon Stil.“
Sie haben in Berklee Jazz studiert. Wenn Sie die Musik mit dem Schreiben vergleichen, welche künstlerische Ausdrucksweise bevorzugen Sie?
"Das Schreiben. Ich habe meine Musikkarriere aufgegeben, weil ich nicht damit zufrieden war. Ich hätte noch Jahre Musiker sein können und wäre doch nicht so gut geworden, wie ich das gehofft hatte. Ich bin Schriftsteller."
Verfolgen Sie die Musikszene noch?
"Ein wenig. Aber die meisten Musiker, die ich mag, sind inzwischen tot."
Das ist ein typisches Problem in der Jazzmusik.
„Genau. Aber mit moderner Musik hab' ich es nicht so."
Haben Sie je bereut, dass Sie Ihre Musikkarriere aufgegeben haben?
„Nein - weder dass ich die Musik aufgegeben habe, noch dass ich sie angefangen habe. Ich denke, dass ich viel gelernt habe. Kunst ist aus meiner Sicht ein lebenslanges Abenteuer. Du musst deine eigenen Regeln finden und deine eigene Art, Geld zu verdienen. Und natürlich brauchst du ein Ziel und musst herausfinden, wie du es erreichst."
Haben Sie Ihr Ziel schon erreicht?
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