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Kaiser Chiefs im Interview (Foto: Public Address)
Kaiser Chiefs im Interview
(Foto: Public Address)
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veröffentlicht: 30.09.2005
Kaiser Chiefs im Interview  
„Keine Zeit für Drogen und Groupies“

„Ricky bekommt natürlich die meiste Aufmerksamkeit ab. Es ist natürlich lustig, dass er nicht die Songs schreibt. Aber er verfasst fast alle Text. Den Rest schreibt Nick. Natürlich wollen immer alle mit Ricky reden. Dabei kann er nicht mal ein Instrument spielen. Aber seine Bühnen-Show ist einfach toll. Da ist Nick ganz froh, dass er sich bei Auftritten hinter seinem Schlagzeug verstecken kann. Außerdem singt Nick auch viel und das ist für uns sehr wichtig. Dadurch haben wir einen viel dichteren Sound.“

Frontmann Ricky Wilson (Foto: Public Address)
Frontmann Ricky Wilson
(Foto: Public Address)
Entsteht in der Band keine Eifersucht, weil jemand, der kein Instrument spielen kann, so viel Aufmerksamkeit bekommt?
„Wir bekommen alle Aufmerksamkeit, denn wir sind alle interessante Typen. Wenn Ricky auf der Bühne seine Show macht, dann ist das etwas, was ich niemals machen könnte. So wie er rumspringt und die Leute anheizt, kann ich da nicht eifersüchtig sein. Es ist nur manchmal lustig, dass die Leute denken, er würde die Songs schreiben und die Band kontrollieren. Außerdem sind wir alle seit langer Zeit gute Freunde. Das hilft.“

Ich habe gelesen, dass die Mädchen alle auf dich stehen…
„Das sagt Ricky immer, weil er ein Freundin hat. Die soll denken, dass sich die Mädchen nur für mich interessieren. Er hat das in einigen Interviews gesagt und ich habe das später rausgefunden. Wir sind nicht so eine große Rock`n`Roll Band mit Drogen und Groupies. Einige Bands setzten darauf, aber deren Alben sind meist auch Schrott. Wir haben einfach zuviel mit Interviews zu tun, um uns um Mädchen und Drinks zu kümmern. Für Drogen und Groupies haben wir einfach keine Zeit.“

Offenbar will heute keine Band mehr den klassischen Rock`n`Roll-Livestyle leben…
„Die großen Rockbands wie Guns`n´Roses können das machen."

Kaiser Chiefs im Kaiserkeller (Foto: Public Address)
Kaiser Chiefs im Kaiserkeller
(Foto: Public Address)
Das war in den 80er und 90er Jahren...
„Heute muss man als Band wirklich hart arbeiten. Es gibt einfach Tausende Bands auf der Welt, die alle Aufmerksamkeit wollen. Früher waren die großen Bands groß und die kleinen klein. Das gab es nichts dazwischen. Mit dem Internet und MTV gibt es heute aber überall Musik. Da muss man immer dranbleiben.“

Warum gibt es im Augenblick gerade in England so viele neue Bands?
„Ich glaube, englische Bands haben alle einen bestimmten Sound, den die Leute mögen. Das hat mit den Beatles und den Stones oder The Who und den Kings angefangen. Die haben alle viele gute Alben gemacht. Und ich meine nicht nur ein tolles Album sondern zwei oder drei. Davon sind wir alle inspiriert. Das macht auch Bands wie Blur oder Supergrass aus. Die haben sich mit der Zeit entwickelt. Das wollen wir auch. Nicht nur ein Hit-Album machen und dann verschwinden.“

Ein Hit-Album habt ihr ja schon aufgenommen. Es war für den britischen Mercury-Preis favorisiert, den ihr dann aber nicht bekommen habt. Stattdessen ging der Preis an Antony And The Johnsons. Da sollt ihr ein wenig sauer gewesen sein?
„Da wurde wir in der Zeitung falsch zitiert. Wir habe nur einen Witz gemacht, weil Antony ja seit langer Zeit in New York lebt. Aber er hat einen britischen Pass. Und das ist in Ordnung, denn man muss ja Brite sein, um den Mercury-Award zu gewinnen. Natürlich wollten wir den Preis.Es ist eine Ehre, wenn man unter den besten zwölf Alben des letzten Jahres ist. Dass wir nicht gewonnen haben, war dann natürlich überraschend. Aber Antony And The Johnsons machen ganz andere Musik als die Kaiser Chiefs. Die haben auch ein gutes Album gemacht.“

Leidet ihr unter der britischen Klatsch-Presse?
„Ja, das ist manchmal anstrengend. Aber unsere Fans informieren sich auch über unsere Webseite. Da können wir Sachen immer richtig stellen.“

Wie sieht das mit dem berühmten schwierigen zweiten Album aus, das euch bevorsteht?
„Da haben wir keine Angst. Als Band haben wir fünf Jahre gebraucht, um da zu sein, wo wir jetzt sind. Wir haben uns in vielen Dingen verbessert. Wir sind bereit für ein zweites Album.“

Habt ihr mal über Cover-Songs nachgedacht?
„Wir haben für eine Wohltätigkeitsaktion 'Heard It Through The Grapevine' von Marvin Gaye gecovert. Das wurde erst vor Kurzem zum Download bereit gestellt. Es war das erste Cover, das wir aufgenommen haben. Es ist ein großer Disco-Song, zu dem gut getanzt werden kann. Das spielen wir vielleicht mal live.“

Im Vergleich mit den anderen Chiefs fällt auf, dass du besonders gut angezogen bist. Hast du einen Modefimmel?
„Kein Ahnung. Ich probiere eben, gut auszusehen. Wir gehen alle nicht zum Posen auf die Bühne, aber ich will dort schon gut aussehen. Mein Hut und das Hemd sehen einfach besser aus als nur Jeans und T-Shirt.“




(Jörg Römer)
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